Wien: Büchereien Wien

Interview mit: Magdalena M. M. Schneider

Ihre Bibliothek in Worten und Fakten

Die Büchereien Wien sind mit 40 Standorten über ganz Wien verteilt. Wien ist die lebenswerteste Stadt der Welt und wächst stetig weiter. Wir bemühen uns, auch in den neu entstehenden Stadtteilen präsent zu sein und nutzen dabei gerne auch mobile Formate wie die Pop-Up-Bücherei. Wir probieren gerne Dinge aus und verfügen wir über drei ganz besondere Standorte:

  • die Kindebücherei der Weltsprachen, die sich ganz dem Thema Mehrsprachigkeit und Interkulturalität verschrieben hat und die Kinder- und Jugendbücher in über 50 Sprachen anbietet
  • die virtuelle Bücherei, deren e-Medien 24/7 abrufbar sind
  • das Bibliothekspädagogische Zentrum, das als Servicestelle alle Kindergärten und Pflichtschulen in Wien mit didaktischen Bildungsmedien und Bücherboxen versorgt
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Welche Aktivitäten bietet Ihre Bibliothek an?

Bei uns gibt es Aktivitäten für alle Sinne und jede Altersstufe: schauen, staunen, hören, lesen zur Förderung der Medien- und Lesekompetenz:
Bibliothekseinführungen, Bilderbuchkino, Kamishibai, Illustrationsworkshops, digitale Rätselrallyes, Buchcasting, Ferienaktionen, Rechercheschulungen, Computerkurse für SeniorInnen, Bücherboxen. Die derzeitigen Schwerpunkte liegen auf der Vermittlung der SDGs (UN-Ziele 2030 zur nachhaltigen Entwicklung), der Verwendung von Robotern und Tablets und dem Thema MINT.

Haben Sie etwas Besonderes?

Seit einem Jahr hat sich unser Personal um besonders knuffige KollegInnen erweitert: an mehreren Standorten der Büchereien Wien werden Therapiehunde in der Leseförderung eingesetzt. Kinder besuchen regelmäßig die Bücherei und lesen den Hunden vor- hohe Motivation und weiches Fell garantiert!

Welche Rolle haben Ihrer Meinung nach Computerspiele in der heutigen Kindheit?

Computerspiele zu spielen ist für Kinder eine selbstverständliche Freizeitbeschäftigung wie jede andere. Die Medienwelten der Kinder sind heute einfach vielfältiger als früher. Eine Geschichte lässt sich in einem Buch genauso gut erleben wie in einem Computerspiel. Gleichzeitig scheinen die digitalen Spielwelten oft sehr realistisch und laden dazu ein, sich regelrecht in ihnen zu verlieren. Oft zeigen sie auch Bilder und Klischees, mit denen man Kinder nicht alleine lassen sollte. Hier sollte auf einer gemeinsamen Ebene mit den Kindern überlegt werden, wieviel Eintauchen ins Spiel gut ist oder wie Situationen und Geschlechter dargestellt werden. So können sie – wie auch bei allen anderen Medienarten – dazu angeleitet werden, Computerspiele kritisch zu nutzen.

Welche gängigen Probleme haben aus Ihrer Sicht Eltern und Pädagogen bei Computer- und Konsolenspielen?

Die Spielewelt ist Eltern und Pädagoginnen oft fremd, weil sie nicht selbst erlebt wird. So können sich Vorurteile aufbauen. Spielen ist ein kommunikativer und gemeinschaftlicher Prozess - egal ob beim Brettspiel oder online. Das zu verstehen, fällt vielen Erwachsenen schwer, weil sie nicht mit Computer- und Konsolenspiele aufgewachsen sind. Sie täten gut daran, ihren Spieltrieb wieder zu entdecken, sich vorurteilsfrei selbst an die Spiele zu setzen und loszulegen. So werden Eltern und PädagogInnen die Erfahrung machen, dass es - wie bei allen anderen Medienarten auch – gute und nicht so gute Produktionen gibt- und dass Spielen gaaaanz viel Spaß macht!

Welche Lösungen können Sie für diese Probleme als Bibliothek anbieten?

Bibliotheken können Ängste nehmen. Wir setzen uns seit unserem Bestehen mit Medien auseinander und bringen hohe Fachexpertise in der Bewertung dieser mit. Wir können eine Auswahl an Computer- und Konsolenspiele treffen und diese als besonders wertvoll empfehlen. Viel besser aber noch ist es, wenn es Bibliotheken schaffen, Eltern und PädagogInnen dazu zu bewegen, sich selbst mit den digitalen Spielen auseinanderzusetzen und selbst medienkritisch zu bewerten.

Welche Intentionen verfolgen Sie und Ihre Bibliothek als Partner beim TOMMI?

Kinder leben heute ganz selbstverständlich in zwei Welten- der digitalen und der analogen. Für beide gibt es Spielregeln und beide bieten Gefahren; wir müssen ihnen also das Rüstzeug geben, kritisch mit ihren Umwelten umzugehen. Das findet sich für uns im TOMMI wieder: er animiert Kinder, selbstständig und kritisch an Medien heranzugehen und sich auch ein Urteil zu erlauben. Und das passt genau in die Smart City Strategie Wiens, die wir Büchereien Wien damit unterstützen!

Ihre persönliche Vision von Kind und Computer?

Besonders schön finde ich es immer, wenn Kinder von der reinen Konsumation am Computer (sei es beim Spielen oder beim Nutzen des Internets) selbst in die Produktion übergehen. Wenn Kinder sehen, dass sie selbst Inhalte produzieren und kreativ werden können. Und wenn sie begreifen, dass sie ihr Wissen dazu weiter geben können- an Freundinnen und Freunde, aber auch an Oma oder Opa.