"KINDER HABEN EINEN EINDEUTIGEN VORTEIL GEGENÜBER DEN ELTERN UND PÄDAGOGEN"

Interview mit Sonja Fischer
Bibliothekarin in der Stadtbibliothek Straubing

Stellen Sie Ihre Bibliothek in Worten und Fakten vor:
Die Stadtbibliothek Straubing liegt in Nieder- bayern und besteht aus einer Hauptstelle, einer öffentlichen Zweigstelle in einem Wohngebiet und vier Schulbibliotheken. Die Hauptstelle befindet sich seit 1999 im historischen Salzstadel, der sich am Ufer der Donau befindet. Insgesamt stehen 72.000 Medien für ca. 8.000 aktive Benutzer zur Ausleihe bereit, davon sind ca. 53 Prozent Kinder und Jugendliche.

Welche Aktivitäten bietet Ihre Bibliothek an?
Neben der Zusammenarbeit mit den ansässigen Schulen, finden regelmäßig Klassenführungen, Bilderbuchkinos, Lesungen und Schulungen statt. Wir bieten auch eine Abteilung für Jugendliche "BlueOrange", in deren Rahmen regelmäßig Veranstaltungen wie SingStar-Karaoke-Abende oder Wii-Game-Workshops stattfinden. Es finden auch regelmäßige Ausstellungen verschiedenster Art statt, bei denen die Räume der Bibliothek genutzt werden.

Haben Sie etwas Besonderes?
Eine Besonderheit von uns ist die virtuelle Bibliothek, die man von zu Hause aus nutzen kann, um online z.B. E-Papers oder E-Music auf den PC herunter zu laden. Weiterhin betreiben wir einen Weblog, in dem jede Woche neue Informationen rund um Medien und die Bibliothek erscheinen.

Welche Rolle haben Ihrer Meinung nach Computerspiele in der heutigen Kindheit?
Computer- und Videospiele werden für Kinder und Jugendliche immer wichtiger, da sie mit diesen Medien aufwachsen. Das haben wir erkannt und somit unser Angebot an NonBooks, das bisher nur PC-Spiele umfasste, um Playstation- (2006) und Wii-Spiele (2008) erweitert. Die Ausleihen und die Nachfragen steigen stetig und es kommt viel positives Feedback der Eltern. Wir haben auch vor, die zur Verfügung gestellten Konsolen auch während des Jahres aufzustellen, damit die Eltern Konsolen und Spiele vorher testen können, um sie dann eventuell später zu kaufen.

Welche gängigen Probleme haben aus Ihrer Sicht Eltern und Pädagogen bei Computer- und Konsolenspielen?
Kinder haben einen eindeutigen Vorteil gegenüber den Eltern und Pädagogen, weil sie mit diesen Medien aufwachsen. Deshalb kennen sie sich besser aus, während die Erwachsenen erst "lernen" müssen mit diesen Medien umzugehen. Die Eltern müssen sich damit beschäftigen und müssen einsehen, dass diese Medien nicht nur eine "Parkmöglichkeit" für ihre Kinder sind. Sie müssen sich dafür interessieren und am Besten mit den Kindern zusammen die neuen Medien entdecken.

Welche Lösungen können Sie für diese Probleme als Bibliothek anbieten?
Ein Angebot von ausgewählten Spielen, sowie Beratung der Eltern, welche Spiele für welche Altersgruppe geeignet sind, wobei auch auf die Altersangaben der USK geachtet wird. Weiterhin haben die Eltern vor dem Kauf einer Konsole oder eines Spieles die Möglichkeit, sie vorher von der Bibliothek auszuleihen und sie zu testen.

Welche Rolle haben Bibliotheken im Internetzeitalter?
Auf www.google.de gehen und einen Suchbegriff eingeben kann jeder. Aber das richtige Recherchieren muss gelernt werden, und dazu sind die Bibliotheken da. Um Informationskompetenz zu vermitteln, müssen Kurse angeboten werden, in denen das richtige Recherchieren anhand von Stichwörtern, Schlagwörtern und ver- schiedenen Kombinationsmöglichkeiten gezeigt und erklärt wird.

Welche Intentionen verfolgen Sie und Ihre Bibliothek als Partner beim TOMMI?
Uns ist es wichtig, den Kindern eine Plattform anzubieten, bei der sie selbst entscheiden können, was sie gut finden und was nicht und dies auch bewerten können. Keine "schlauen" Erwachsenen entscheiden für sie. Was uns auch ein Anliegen ist, ist das Image der PC- und Konsolenspiele zu verbessern und bei den Erwachsenen "aufzuklären", also Medienkompetenz zu vermitteln.

Ihre persönliche Vision von Kind und Computer?
Kinder sollen mit den neuen Medien umgehen dürfen. Jedoch alles in einem gewissen Maß. Eine Mischung aus Computer/Konsole und Aktivitäten in der Natur wäre ideal. Jedoch sind da die Eltern gefordert: hinsehen, mitmachen und Regeln für den Umgang mit PC oder Konsole festlegen.

 

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