"BIBLIOTHEKEN SIND LEUCHTTÜRME IM MEER DER INFORMATIONSFLUT"

Interview mit Felicitas Nieting
Bibliothekarin in der Bremer Stadtbibliothek

Stellen Sie Ihre Bibliothek in Worten und Fakten.
An 280 Öffnungsstunden pro Woche können die Kundinnen und Kunden der Stadtbibliothek Bremen in der Zentralbibliothek - sowie in sechs Zweigstellen und einer Busbibliothek - aus über einer halben Million gedruckter und elektronischer Medien auswählen. Das wachsende Angebot an elektronischen Medien - die "eAusleihe" - steht rund um die Uhr kostenlos von zu Hause aus über die Homepage zur Verfügung. Das Angebot der Stadtbibliothek Bremen umfasst auch besondere Serviceleistungen wie z.B. Computer-Arbeitsplätze mit PC-Spielen und Lernsoftware, an denen man in über 3.000 Internet-Datenbanken recherchieren kann. Dazu kommen Ausstellungen, Lesungen und spezielle Veranstaltungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Besonderes Augenmerk wird auf Führungen und Veranstaltungen zur Förderung der Medienkompetenz gelegt. Vom Kindergarten bis zur weiterführenden Schule bieten wir ein Führungsprogramm an, das Kinder und Jugendliche in die Bibliothek einführt und sie auf dem Weg zum Rechercheprofi begleitet.

Welche Aktivitäten bietet Ihre Bibliothek an?
Mehrere hundert Kinder und Jugendliche nehmen pro Woche an einer der vielfältigen bibliothekspädagogischen Programme teil, die auf die jeweilige Altersstufe abgestimmt sind und aufeinander aufbauen. Mit dem spielerischen "Lesestart"-Programm beispielsweise werden die Kinder der ersten Klasse mit der Bibliothek vertraut gemacht, um dann im nächsten Schuljahr als Piraten-Crew die abenteuerliche Medieninsel "Thibobelik" zu erforschen. Die Programme für die älteren SchülerInnen reichen von der Medienrallye "Nix wie weg" und Bücherbingo über die beliebte Buchcasting-Show "Top oder Flop" bis hin zum anspruchsvollen Recherchetraining. Speziell an Jugendliche ab Klassenstufe 5 richtet sich der SommerLeseClub, an dem im vergangenen Jahr über 500 Jugendliche teilgenommen haben. An Familien mit kleinen Kindern richten sich die wöchentlichen Bilderbuchkinos und die Bastelaktionen, die sehr gut angenommen werden. Die Aktionswochen "Bremer Autoren für Bremer Kinder" und "Deutschland liest" sowie das große Motto-Familienfest im November runden das bibliothekspädagogische Angebot der Stadtbibliothek Bremen ab.

Haben Sie etwas Besonderes?
Besonders stolz sind wird auf unsere Multimediaspielwiese, auf der Kinder und Jugendliche auf 24 Computern Spiele aller Genres ausprobieren und miteinander spielen können.

Welche Rolle haben Ihrer Meinung nach Computer- und Konsolenspiele in de heutigen Kindheit?
Computer- und Konsolenspiele sind heute in der Freizeit von Kindern und Jugendlichen fest verankert. Durch die Vielfalt der Spiele bieten sich unzählige Möglichkeiten, zu Gleichaltrigen Kontakt aufzunehmen, sich mit ihnen zu messen und spielerisch Möglichkeiten und Grenzen zu erfahren. Durch den wachsenden Edutainment-Bereich können Lerninhalte kindgerecht vermittelt werden.

Welche gängigen Probleme haben aus Ihrer Sicht Eltern und Pädagogen bei Computer und Konsolenspielen?
Viele Eltern und Pädagogen beschäftigen sich nicht oder kaum mit den neuen Medien, die ihre Kinder täglich nutzen. Das Unwissen über die Möglichkeiten und Chancen, aber auch Risiken von Computer- und Konsolenspielen kann zu einer vorschnellen Kritik oder Ablehnung führen. Viele betrachten auch das "Daddeln" als Zeitverschwendung.

Welche Lösungen können Sie als Bibliothek für diese Probleme anbieten?

Die Multimediaspielwiese bietet den Eltern die Möglichkeit, zusammen mit ihren Kindern zu spielen und sich zeigen zu lassen, was Kinder an einem Spiel begeistert, aber auch selbst einmal Spiele auszuprobieren und die Faszination daran zu erleben. Dazu bietet die Zentralbibliothek Elternberatungen und ?broschüren zum Thema Computerspiele an und bietet im Rahmen von Veranstaltungen immer wieder die Möglichkeit, Geräte auszuprobieren und sich über Hintergründe zu informieren.
Zusätzlich werden Computerspiele auch bei Klassenführungen thematisiert und in den Ablauf integriert, um einen kompetenten Umgang mit diesen zu trainieren.

Welche Rolle haben Bibliotheken im Internetzeitalter?

Bibliotheken sind ästhetisch erfahrbare reale Treffpunkte - sie sind "Leuchttürme im Meer der Informationsflut", denn sie unterstützen Menschen bei der Informationssuche und geben Hilfestellungen bei der Aufarbeitung und Bewertung der gewünschten Inhalte. Sie stellen Werkzeuge für die Recherche zur Verfügung und bilden sie im Umgang mit diesen aus.

Welche Intention verfolgen Sie und Ihre Bibliothek als Partner von TOMMI?
Kinder sollen den verantwortungs- bewussten Umgang mit Computer- und Konsolenspielen lernen und auch in der Lage dazu sein, Spiele kritisch zu beurteilen. Sie sollen verschiedene Genres kennen lernen und spielerisch Kompetenzen ausbilden, sich auf immer neue Situationen einzustellen. Für die Bibliothek ist es wichtig,  dass Computer- und Konsolenspiele aus der "Schmuddelecke" geholt werden und ihr Stellenwert als modernes und für die Bildung der Kinder wertvolles Medium anerkannt wird. Sie schulen die Konzentration, Koordination, das soziale Miteinander, lehren Frustrationen auszuhalten, aber auch unbändige Freude zu erleben. Daher sollen Kinder über TOMMI Computerspiele zugänglich gemacht werden.

Ihre persönliche Vision von Kind und Computer?

Computer- und Konsolenspiele als eine neue, faszinierende Welt, in der es für Kinder viel zu entdecken, erleben, auszuprobieren und zu begreifen gibt - ob allein oder gemeinsam mit anderen SpielerInnen.

 

 

 

 

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Am Wall 201
28195 Bremen

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Dienstag     10.00 - 19.00 Uhr
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Samstag     10.00 - 16.00 Uhr


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Bilder: Stadtbibliothek Bremen